Aktuell müsste man schon einen professionellen Buchhalter engagieren, um sämtliche Videospiele des omnipräsenten Anime-Ninjas Naruto zu verfolgen. Egal ob Nintendo DS, Wii, Xbox 360 oder im aktuellen Fall auch die PlayStation 3, sämtliche Plattformen werden in regelmäßigen Abständen mit eigenen Ablegern bedacht. Aus der Masse der Umsetzungen stach vor allem
Bandai Namcos Naruto: Ultimate Ninja Storm heraus, das schon im Vorfeld durch die optische Umsetzung bestach und schnell als das bisher beste Spiel rund um Naruto gefeiert wurde. Wie so oft holt einen der Hype allerdings ein und man landet schnell auf dem Boden der Tatsachen. Was beim neuen Werk von
CyberConnect2 für Unmut sorgt, verdeutlichen euch die folgenden Zeilen.

Verstaut man die Blu-ray zum ersten Mal im Laufwerk der eigenen Konsole, präsentiert sich
Naruto: Ultimate Ninja Storm zunächst als ein speicherhungriges Unterfangen und setzt eine Zwangsinstallation voraus, die mehr als vier Gigabyte und einige Minuten in Anspruch nimmt. Anschließend folgt der Weg in das Hauptmenü des Titels, das schnell an bisherige Ableger der Reihe erinnert. So warten die obligatorischen Optionen, in denen diverse Parameter nach eigenem Gusto verändert werden können, und zwei verschiedene Modi. Zum einen wartet die klassische Kampagne, die euch die Geschichte rund um den jungen Ninja Naruto näher bringen soll und sich auf etwa 130 Folgen des zu Grunde liegenden Animes bezieht. Fans des Animes werden diese bereits in- und auswendig kennen, während sie für Neulinge kurz umrissen werden soll. In der Welt von Naruto dreht sich alles um die kleine Stadt Konoha, die einst von einem mächtigen Ungetüm attackiert wurde und so langsam aber sicher zur Normalität zurückkehrt. Im Fokus der Geschichte steht der namensgebende Ninja Naruto, der es sich in den Kopf gesetzt hat, der nächste Hokage zu werden und dieses Ziel unnachgiebig verfolgt. Der zweite Modus gleicht spielerisch einem klassischen Beat’em Up und erweitert die „Hau drauf“-Action durch teambasierte Elemente. So zieht man nicht alleine in die Schlacht, sondern wählt stattdessen gleich drei Charaktere aus. Einer der Protagonisten wirkt aktiv im Kampfgeschehen, während die restlichen beiden Streiter als Unterstützung fungieren, mittels eines Drucks auf L1 und R1 in das Kampfgeschehen eingreifen und mitunter mächtige Combos vom Stapel lassen.

Zunächst dürfte man sich jedoch in die Geschichte stürzen, die euch genau wie in
Ubisofts Xbox 360-exklusivem
Naruto: Rise of a Ninja in die frei begehbare Stadt Konoha versetzt, die man zunächst in Augenschein nehmen wird, ehe man sich an den ersten Missionen versucht. Diese wurden in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt und setzen verschiedene Vorgaben für einen erfolgreichen Abschluss voraus. Zu den leichteren Aufgaben gehört beispielsweise das Meistern von 6.000 Schritten, das Beschaffen unterschiedlicher Gegenstände oder das Bestreiten eines simplen Kampfes. Die besagten Missionen wirken sich in zweierlei Art und Weise auf das Geschehen aus. Zum einen wartet sowohl in den Haupt- als auch in den Nebenmissionen natürlich die obligatorische Belohnung in Form von Erfahrungspunkten, mit denen in den diversen Shops zahlreiche Extras freigeschaltet werden können. Unter anderem warten hier neue Spezialmanöver, wichtige Heiltränke oder zusätzliche Ausrüstung auf euch. Das für einen Kauf notwendige Kleingeld verdient man sich ebenfalls durch erfolgreich abgeschlossene Missionen oder das Zerstören kleinerer Objekte, die anschließend die eine oder andere bare Münzen offenbaren. Viel wichtiger sind jedoch die Hauptmissionen, welche die Geschichte mit unterschiedlichen Missionen vorantreiben. Hier warten beispielsweise kleine Minispiele, in denen Naruto von Baum zu Baum dirigiert werden muss, die Fans bereits aus
Rise of a Ninja kennen dürften. Die Königsdisziplin sind Naruto-typisch natürlich die Kämpfe, bei denen in
Naruto: Ultimate Ninja Storm nicht wirklich deutlich wird, an welche Zielgruppe sich das Geschehen eigentlich richten soll.

Auf den ersten Blick dürfte man vermuten, dass man sich um ein komplexes und abwechslungsreiches Kampf- geschehen bemühte, das auch Anhänger des Beat’em Up-Genres nicht unterfordern soll. Man wählt zunächst aus drei Protagonisten aus, darf diese aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen lassen und bekommt zudem unterschiedliche Gegenstände zur Seite gestellt, die während einer Schlacht eingesetzt werden und den Verlauf eines Kampfes zumindest theoretisch beeinflussen können. So weit, so gut. Sobald man zum ersten Mal einem Kontrahenten gegenüber steht, wird man allerdings schnell registrieren, dass die Ansätze zwar gut gemeint waren, in der Praxis jedoch schnell zu einem belanglosen Beiwerk avancieren. Von taktischen Elementen ist in den Kämpfen von
Naruto: Ultimate Ninja Storm leider herzlich wenig zu sehen. Kurz mit Dreieck das eigene Chakra aufladen und anschließend die bemitleidenswerte Kreis-Taste quälen, reicht in der Regel vollkommen aus, um gefahrlos den Sieg davonzutragen. Dies verdeutlicht auch ein Blick in das Pausenmenü, in dem eine Übersicht über die verschiedenen Combos wartet. Beispiele gefällig? Gerne. „Kreis, Kreis, Kreis, Kreis, Kreis“, „Kreis, Kreis, Kreis, Oben, Kreis“ oder „Kreis, Kreis, Oben, Kreis, Kreis“ sollten euch bereits verdeutlichen, wie es um den spielerischen Anspruch des Beat’em Up-Parts bestellt ist. Anfänger wissen den leichten Einstieg sicherlich zu schätzen und Fans werden die bombastische Inszenierung der Kämpfe, die sich kaum noch vom zu Grunde liegenden Anime unterscheiden lässt, wohlwollend zur Kenntnis nehmen, erfahrene Spieler werden hier leider hoffnungslos unterfordert und werden die Schlachten mit zunehmender Spieldauer nur noch widerwillig angehen. Dieses Manko kann auch von den spektakulären Boss-Fights nur bedingt kompensiert werden.

Bedauernswerterweise ist das Kampfsystem nicht der einzige Bereich, in dem sich
Naruto: Ultimate Ninja Storm selbst ein Bein stellt. Das Design der unterschiedlichen Missionen lässt ebenfalls zu wünschen übrig und konfrontiert euch mit zunehmender Spieldauer mit relativ eintönigen Missionen, die sich sehr oft wiederholen und händeringend nach Abwechslung suchen lassen. Im Prinzip also die gleichen Fehler, die seinerzeit
Naruto: Rise of a Ninja zum Verhängnis wurden. Nur muss man dem Werk aus dem Hause
Ubisoft zugute halten, dass es nicht nur beim Kampfsystem so einiges besser macht und im Gegensatz zu
Naruto: Ultimate Ninja Storm einen onlinefähigen Mehrspieler-Modus bietet, auch in Sachen Geschichte und Inszenierung sind die Mannen aus Montreal einen ganzen Schritt voraus. Optisch setzt man bei
CyberConnect2 zwar auf beeindruckende Echtzeit-Sequenzen, die das Xbox 360-Pendant, bei dem man die Sequenzen direkt aus dem Anime entnahm, problemlos alt aussehen lassen, ging mit den Sequenzen allerdings viel zu sparsam um. In der Regel beschränkt sich die Geschichte auf das Durchstöbern des eigenen Tagebuchs, wodurch die Spannung sowie die Atmosphäre des Animes zu keinem Zeitpunkt wirklich aufkommen wollen. Addiert man diese fragwürdige Entscheidung zu den Macken im spielerischen Bereich, wird wohl schnell deutlich, dass sich
Naruto: Ultimate Ninja Storm allenfalls an beinharte Fans von Naruto richtet. Diese werden über den eintönigen Spielverlauf und das schwache Kampfsystem hinwegsehen und einige Stunden in Konoha verbringen können.

Das einzige Highlight des PlayStation 3-exklusiven Titels ist im Endeffekt die Art und Weise, wie man die Abenteuer von Naruto auf den Bildschirm verfrachtete. Sieht man einmal vom penetranten und fast allgegenwärtigen Kanten- flimmern ab, lässt sich kaum noch ein Unterschied zwischen Anime und Videospiel ausmachen. Die lebendige und sich stets verändernde Stadt Konoha bildet die Grundlage für das Anime-Spektakel, das mit bildschirmfüllenden Attacken, spektakulären Sequenzen und riesigen Bossen schnell den heimischen Bildschirm beben lässt. Untermalt von bekannten Melodien aus der TV-Serie und den Original-Sprechern, die wahlweise in englischer oder japanischer Sprache zur Verfügung stehen. Zumindest hier machte man also alles richtig.