Wenn ein großer Event wie die Olympischen Winterspiele, die im kommenden Monat starten, ins Haus steht, dann balgen sich die Hersteller um die exklusiven Rechte, um den zugkräftigen Namen für ein möglichst lukratives Videospiel zu nutzen. Da die Rechte an den Olympischen Spielen wohl mit einem satten Betrag zu Buche schlagen dürften, stellt sich aber immer ein wenig die Frage, wie es denn um das Budget der zuständigen Entwickler, in diesem Falle Eurocom, bestellt ist und in welchen Bereich Abstriche warten.
Verstaut ihr Vancouver 2010 zum ersten Mal in der Konsole und dirigiert euch durch das aufgeräumte Hauptmenü, scheint zunächst noch alles in Ordnung. Neulinge dürfen sich zunächst im Trainings-Modus austoben, wo die Steuerung der verschiedenen Disziplinen vorbildlich vorgestellt wird. Fortgeschrittene stürzen sich wahlweise mit bis zu drei Mitspielern oder CPU-Kontrahenten in den olympischen Wettbewerb oder versuchen sich an den rund 30 Herausforderungen, die mit abwechslungsreichen Vorgaben daherkommen und abseits der Olympischen Spiele langfristig bei Laune halten sollen. Alles abgerundet von Online-Ranglisten, die in Echtzeit aktualisiert werden und euch so immer wieder zu neuen Bestleistungen antreiben, sowie einem onlinefähigen Mehrspieler-Modus für bis zu vier Teilnehmer, der bis auf gelegentliche Lags einen ordentlichen Eindruck hinterlässt. Das entsprechende Grundgerüst für das offizielle Videospiel der Olympischen Winterspiele 2010 ist also vorhanden. Zumal auch die Optik einen gelungenen Eindruck hinterlässt und schnell die passende Atmosphäre aufkommen lassen könnte. Bei den guten Vorsätzen bleibt es allerdings, da sich der Teufel wie so oft im Detail versteckt und diverse Mankos offenbart, die in einem Videospiel dieser Kategorie schlichtweg nichts zu suchen haben. Werfen wir beispielsweise einen Blick auf die Inszenierung der Winterspiele beziehungsweise der Siegerehrung. Wer sich gegen seinen Freundeskreis oder die künstliche Intelligenz durchsetzt, erwartet wohl eine pompöse Siegesfeier mit allen erdenklichen Ehren. Diese wird euch in Vancouver 2010 allerdings nicht geboten. Nach einer bestrittenen Disziplin wartet eine simpel gehaltene Siegerehrung, die Gewinner werden kurz und knapp mit einem Blumenstrauß geehrt, das war's. Keine Medaillen, keinerlei Atmosphäre, nichts. Bedauerlich ist zudem, dass Individualität in Vancouver 2010 ebenfalls klein geschrieben wird. Ein Charaktereditor, der in einem Titel dieser Kategorie eigentlich zum Standardprogramm gehören sollte, ist leider nicht mit von der Partie. Die Athleten sind jedes Mal fest vorgegeben und nicht einmal den Namen eures Recken könnt ihr ändern, was doch gehörig auf die Atmosphäre schlagen kann, da automatisch euer PlayStation Network-Pseudonym als Name des Sportlers eingesetzt wird.
Als weiteres Problem erweisen sich die 14 ausgewählten Disziplinen. Rein von der Anzahl bewegt sich Vancouver 2010 damit sicherlich im Mittelfeld und bietet zunächst nur wenig Anlass zur Kritik. Wer sämtliche Sportarten einmal beendet hat, wird allerdings etwas verwundert zur Kenntnis nehmen, dass sich die Wettbewerbe zum Teil doch sehr ähneln, weshalb man bei der Anzahl ein wenig differenzieren muss. Spielerisch unterscheiden sich der Slalom der Damen, die Abfahrt der Herren oder der Super-G der Herren nämlich nur wenig. Auch der Eisschnellauf der Damen fand mit der 500 Meter-Sprintvariante sowie der 1500 Meter-Version gleich doppelt den Weg auf die Scheibe. Sicherlich wissen die Ski- beziehungsweise Snowboard-Disziplinen spielerisch zu gefallen und werden vom Bobfahren oder dem Skeleton begleitet, unter dem Strich müssen sich die Macher von Eurocom aber den Vorwurf gefallen lassen, dass auf lange Sicht viel zu wenig Abwechslung geboten wird, um die Wohnzimmersportler bei Laune zu halten. Zumal schnell der Ruf nach beliebten Sportarten wie Eishockey, Biathlon, Curling oder dem Eiskunstlauf laut werden dürfte, die es aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen nicht in Vancouver 2010 schafften. Okay, man wollte das Spiel pünktlich zum Start der Winterspiele 2010 veröffentlichen, sobald dieses Vorhaben auf Kosten der wohl etwas enttäuschten Wintersport-Fans geht, sollte man die eigene Veröffentlichungspolitik aber noch einmal überdenken. Aber genug gemeckert, wenden wir uns einmal der spielerischen Umsetzung zu, die sich recht offensichtlich an das weniger erfahrene Casual-Publikum richtet, wodurch gewährleistet ist, dass ihr auch Freunde oder Familienmitglieder vor der Konsole versammeln könnt, die sonst eher weniger mit Videospielen zu tun haben. Da die grundlegende Steuerung vor dem Start einer jeden Disziplin noch einmal eingeblendet wird, könnt ihr euch den Umweg über den Trainingsmodus übrigens sparen. Vor allem in geselliger Runde ein Feature, das euch schnell den Weg ins Spektakel finden lässt.




















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