
Videospieler können mitunter schon reichlich unangenehme Zeitgenossen sein. Vor allem dann, wenn man Hand an lieb gewonnene Serien legt und sich erdreistet, diese mit kleineren Veränderungen oder gar einem neuen Konzept zu versehen. Man frage nur einmal die Offiziellen von
Square Enix, was sich diese in den vergangenen zehn Jahren so alles anhören mussten, als man bei der Final Fantasy-Serie regelmäßig von einem vertrauten Konzept abwich. Aber bekanntermaßen wird ja im Endeffekt nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird und so standen die Zeichen spätestens nach der Veröffentlichung auf Versöhnung. Ob
Codemasters mit
Operation Flashpoint 2: Dragon Rising eine ähnliche Entwicklung durchmachen wird, bleibt allerdings anzuzweifeln. Mit einem komplett neuen Entwickler-Team wurde nicht nur das Konzept der Serie neu angerührt, auch einige unschöne Designpatzer werden Operation Flashpoint-Veteranen mit der Nase rümpfen lassen.

Dabei fällt der Einstieg in
Operation Flashpoint 2: Dragon Rising sehr atmosphärisch und klasse inszeniert aus. Ein bedrückendes Intro-Video verdeutlicht euch zunächst, um was es im Nachfolger überhaupt geht: Um die fiktive Insel Skira, auf der sich in den vergangenen Jahrhunderten bereits Russen, Japaner und Chinesen die Köpfe einschlugen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel unter russische Verwaltung gestellt und geriet im Prinzip in Vergessenheit. Erst die wachsende Industrie der chinesischen Nation sollte Skira erneut zu einem Schauplatz einer weltweiten Krise machen. Als auf dem Eiland bisher unbekannte Ölvorkommen entdeckt werden, fällt den Chinesen erwartungsgemäß ein, dass man doch weiterhin Besitzansprüche stellt. Die Leidtragenden sind in diesem Fall die Russen, für die ein militärischer Konflikt mit dem asiatischen Riesen unausweichlich scheint. Glücklicherweise hat sich das amerikanisch-russische Verhältnis seit dem kalten Krieg deutlich entspannt und so lässt sich Uncle Sam genau wie in der Realität nicht zwei Mal bitten und sichert den Russen militärische Unterstützung zu, um den rasant wachsenden Konkurrenten aus Asien in seine Schranken zu weisen - es geht ja schließlich um Öl.

Bedauerlicherweise haben wir mit dem Intro den einzig nennenswerten Punkt der Inszenierung bereits zu Beginn abgehandelt, da sich
Operation Flashpoint 2: Dragon Rising ansonsten ähnlich trocken präsentiert wie eine Einsatzbesprechung der US-Army. Ihr werdet lediglich durch die elf verschiedenen Missionen geschickt und erfahrt im Prinzip nur wenig über die weiteren Umstände des Konflikts. Diese Designentscheidung sorgt spätestens gegen Ende der etwa sechs bis acht Stunden langen Kampagne für fragende Gesichter, wenn plötzlich chinesische Befehlshaber ausgemacht werden müssen, von denen man im bisherigen Verlauf des Spiels nicht einmal etwas gehört hat. Live-Schaltungen ins UN-Hauptquartier, Nachrichtensendungen oder Erlebnisberichte von Beteiligten wären sicherlich ein probates Mittel gewesen, um die trockene Präsentation etwas aufzupeppen und die Atmosphäre anzuheizen. So bleibt nicht mehr als eine interessante Rahmenhandlung, deren Potential lieblos verheizt wird. Schade drum.

Wer spielerisch einen Ego-Shooter im Stile eines Call of Duty oder Medal of Honor erwarten sollte, in dem es im Minutentakt hoch hergeht, der wird sich zunächst ein wenig umstellen müssen. Auch wenn sich
Operation Flashpoint 2: Dragon Rising deutlich freundlicher gibt und zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad einige Fehler mehr verzeiht, als es noch beim Original der Fall war, versteht sich der Titel doch weiterhin als eine Simulation, die den taktischen Aspekt eines Krieges mit all seinen Facetten in den Mittelpunkt rücken soll. Da ist es erst recht unverständlich, dass man die Spieler zu Beginn der Kampagne förmlich ins kalte Wasser wirft. Natürlich sind auch wir uns darüber im Klaren, dass die Anleitung des Spiels nicht nur als Klolektüre gedacht ist, ein optional angebotenes Traingsgelände, auf dem die verschiedenen Aspekte des Spiels vorgestellt werden, oder verschiedene Hilfestellungen hätten den Einstieg für Neulinge doch deutlich erleichtert. So heißt es: „Zähne zusammenbeißen und auf das Beste hoffen“. Denn Frusterlebnisse gehören in
Operation Flashpoint 2: Dragon Rising zur Tagesordnung, was nicht nur am satten Schwierigkeitsgrad liegt, der euch bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gehörig zu schaffen machen wird. Doch dazu später mehr.