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Test
InFamous Test
Artikel erstellt von VioletFlame am 30.05.2009 | 0 Kommentar(e)
Cover
USK
Medium:
Disc
Genre:
Action
Entwickler:
Sucker Punch
Release:
27.05.2009
Release-Preis:
ca. 70 EUR
Spieler:
1
Sprache:
Deutsch
Auflösung:
720p
Screenshots:
Nicht wenige Spieler dürften wohl damit gerechnet haben, dass man bei Sucker Punch an einem neuen Abenteuer rund um den Waschbären Sly arbeitet, das exklusiv für die PlayStation 3 erscheint. Zur Überraschung vieler wurde seinerzeit jedoch der „Open World“-Titel InFamous angekündigt, der euch in die Rolle eines unfreiwilligen Helden versetzt, dessen Schicksal und Lebensweg von euch selbst bestimmt werden können. In wie weit man das mittlerweile festgetretene Genre mit diesem Konzept bereichern kann, verdeutlichen euch unsere Eindrücke aus der fiktiven Metropole Empire City, die in InFamous in den Mittelpunkt gerückt wird.

Es gibt Tage, an denen sollte man einfach im Bett bleiben: Eine oft zitierte Weisheit, die sich auch der Protagonist Cole MacGrath hätte zu Herzen nehmen sollen. Seinen Unterhalt als Kurier zu verdienen kann schon eine langweilige Tätigkeit sein. Tag für Tag aufstehen, die festgelegten Routen abfahren und den mitunter unfreundlichen Kunden ihr Päckchen überreichen. Wie schnell sich ein unspektakuläres Leben in ein Inferno verwandeln kann, verdeutlichen euch bereits die ersten Minuten von InFamous: Eine gewaltige Explosion erschüttert Empire City, Krater säumen die Straßen, das schier unendliche Flammenmeer ist allgegenwärtig und mittendrin befindet sich Cole, der aus unerklärlichen Gründen nur wenige Kratzer abbekommen hat, obwohl die Detonation alles um ihn herum zerstörte. Doch damit nicht genug. Zusätzlich stellt man sich die Frage, weshalb Cole plötzlich als wandelndes Elektrizitätswerk durch die Straßen von Empire City zieht, über unmenschliche Kräfte verfügt, Blitze durch die Gegend befördert und selbst Sprünge von einem Wolkenkratzer ohne bleibende Schäden übersteht. Ist all dies auf die wuchtige Explosion zurückzuführen? Viel Zeit um die eigenen Gedankengänge zu ordnen bleibt Cole nicht, da er schon wenig später für die Explosion und die damit verbundenen Schäden verantwortlich gemacht wird. Selbst seine Liebe Trish zieht sich mit dem Vorwurf, er habe neben den tausenden Menschen auch ihre Schwester auf dem Gewissen, von ihm zurück. Eine missliche Lage für den ehemaligen Kurier, der eigentlich nur friedlich seinem Job nachgehen und ein Paket überbringen wollte. Stattdessen gilt er nun als Terrorist, der eine gesamte Stadt und das Schicksal ihrer Bewohner auf dem Gewissen hat. Und dies lassen ihn die überlebenden Bewohner mehr als deutlich spüren.

Um der Frage auf den Grund zu gehen, was es mit der Explosion und Coles Verwandlung auf sich hat, dürft ihr Empire City, das in drei verschiedene Stadtteile unterteilt ist, nach Belieben erforschen. Kein Weg ist zu weit, kein Wolkenkratzer zu hoch und kaum ein Abgrund zu breit. Dank seiner neu gewonnenen Kräfte kraxelt Cole an Hochhäusern entlang, gleitet über Hochspannungsleitungen, springt von Dach zu Dach und nutzt selbst kleinste Vorsprüng zur Fortbewegung, so dass selbst Spider-Man und Altair vor Neid erblassen würden. Wer mit der Sly Racoon-Reihe vertraut sein sollte, wird wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass die Handschrift des zuständigen Studios Sucker Punch mehr als überdeutlich zu erkennen ist. Dank der ungemein direkten Steuerung dirigiert ihr Cole gezielt durch die Straßen, meistert mit Leichtigkeit Sprünge und habt auch sonst mit keinerlei Aussetzern zu kämpfen. Hier erinnert vieles an die tolle Spielbarkeit der Sly-Serie, die auch dieses Mal kaum Raum für Kritik bietet. Um euch dennoch mit den verschiedenen Fertigkeiten Coles vertraut zu machen, wartet zunächst ein spielbares Tutorial, das gleichzeitig als Einführung in die Geschichte fungiert und sämtliche Elemente beleuchtet. Zu diesen gehören natürlich auch die Kämpfe gegen die zahlreich vorhandenen Kontrahenten, die in den Straßen von Empire City die Macht an sich gerissen haben. Schließlich wurde die Stadt nach der Detonation unter Quarantäne gestellt und ihrem Schicksal überlassen. Hin und wieder werden zwar kleinere Hilfslieferungen abgeworfen, auf den Straßen selbst regieren jedoch Chaos und Gewalt. Dies werdet ihr bereits in den ersten Stunden zu spüren bekommen. In der ersten Mission geht es beispielsweise darum, sich einer ungenau abgeworfenen Ladung von Nahrungsmitteln anzunehmen. Für die Reaper, die das Neon-Viertel von Empire City kontrollieren, scheinbar der richtige Zeitpunkt, um auf den Plan zu treten und euch in die ersten Scharmützel zu verwickeln.

Die Folgen der geheimnisvollen Explosion brachten nicht nur Schattenseiten mit sich, sondern kamen vor allem den Fähigkeiten Coles zugute, was in den Kämpfen von ungeheurem Nutzen ist. Auf Knopfdruck entlädt sich die Energie in seinem Körper und rauscht in Form von Blitzen seinen Kontrahenten entgegen. Wer nun der Meinung sein sollte, Cole sei auf Grund seiner Spannung unbesiegbar, wird sich je nach Schwierigkeitsgrad, von denen es drei verschiedene gibt, schnell getäuscht sehen. Mit zunehmenden Treffern verblasst die Farbe des Bildschirms und Cole droht ins Gras zu beißen. Dank des regenerativen Gesundheitssystems reicht es aus, sich für einen gewissen Zeitraum zu verkriechen. Die Lebensenergie wird sich automatisch erholen und schon darf man sich wieder ins Geschehen zu stürzen. Damit die Auseinandersetzungen nicht zu eintönig ausfallen, fanden kleinere Elemente eines Rollenspiels den Weg in InFamous. Besiegte Kontrahenten, gefundene Geheimnisse oder erfolgreich absolvierte Missionen werden mit Erfahrungspunkten bedacht, die in verschiedene Fertigkeiten investiert werden können. Diese lassen sich mit zunehmender Spieldauer freischalten und anschließend erwerben. Mit Sprüngen von Häusern größeren Schaden anrichten, Elektrogranten durch die Gegend schleudern, weniger Schaden einstecken oder stärkere Nahkampfattacken austeilen sind nur einige der Fähigkeiten, die von Cole erlernt werden können.

Riskiert ihr einen Blick auf das Fertigkeitensystem, werdet ihr auf ein tragendes Element von InFamous stoßen, was im so genannten Karma-System begründet liegt. Je nachdem, wie ihr euch in den Straßen von Empire City oder innerhalb der Missionen verhaltet, entwickeln sich Coles Ruf sowie dessen Fertigkeiten. Wer randalierend durch die Straßen zieht, Passanten durch die Luft schleudert oder für sinnlose Zerstörung sorgt, muss sich folgerichtig nicht wundern, wenn sein Ruf leidet, er beschimpft wird und die Passanten sogar zu Handgreiflichkeiten neigen. Auf die Spitze getrieben wird das System in den Karma-Missionen, die auf zwei verschiedene Art und Weisen vollendet werden können. Als Beispiel sei hier eine Mission genannt, in der es darum geht, einen von Polizisten gesperrten Bereich zu verlassen. Nehmt ihr euch der Sicherheitskräfte alleine an, um den Weg freizumachen, oder attackiert ihr diese aus der Menge heraus und riskiert, dass zahlreiche Unschuldige Prügel beziehen? Je nach Aktion sinkt euer Karma in den positiven beziehungsweise den negativen Bereich, was sich nicht nur auf die Fertigkeiten und das Äußere von Cole auswirkt, sondern obendrein für einen erhöhten Wiederspielwert sorgt. Schließlich möchte man sich als ambitionierter Spieler beide Enden zu Gemüte führen.

Ein „Open World“-Titel wie InFamous steigt und fällt natürlich mit dem Missions-Design, das auch hier Haupt- und Nebenmissionen mit sich bringt. Die Hauptquests sorgen für den obligatorischen Handlungsstrang und treiben die zu Grunde liegende Geschichte voran, während die Nebenmissionen in erster Linie dazu gedacht sind, die Straßenstriche von Empire City zu säubern. In den Nebenmissionen geht es beispielsweise darum, Passanten aus den Händen der Reaper zu befreien, Überwachungskameras von Häusern zu entfernen oder Krankenhäuser aus den Händen von Verbrecherbanden zu befreien. Erfolgreich abgeschlossene Aufträge werden nicht nur mit Erfahrungspunkten belohnt, sondern bringen obendrein den Vorteil mit sich, dass die betroffenen Gebiete dauerhaft von Gegnern gesäubert werden. Übergriffe durch die Reaper und andere Kontrahenten müsst ihr folgerichtig nicht mehr befürchten. Ähnlich abwechslungsreich präsentieren sich in den ersten Stunden die Hauptmissionen: Aktiviert Generatoren, um den Stromkreislauf innerhalb der Straßen wieder herzustellen, räumt den einen oder anderen wuchtigen Bossgegner aus dem Weg, meistert knifflige Jump & Run-Passagen oder hechtet von Deckung zu Deckung, während ihr den Widersachern mit Blitzen kräftig Feuer unter dem Hintern macht. Im Zusammenspiel mit den verschiedenen Fähigkeiten und der sauberen Steuerung wird das Gefühl, sich in der Haut eines Comic-Helden zu befinden, atmosphärisch an den Spieler weitergegeben und motiviert dazu, die zahlreichen Möglichkeiten zu nutzen, sich in Scharmützel zu stürzen und die lebendige Stadt zu erforschen. Alles fühlt sich dynamisch, frisch und abwechslungsreich an. Positive Eindrücke, die sich mit zunehmender Spieldauer leider relativieren, was nicht zuletzt auf die Wiederholungen im Spielverlauf zurückzuführen ist.

Habt ihr den ersten Stadtteil erfolgreich hinter euch gebracht, dann dürftet ihr bis auf vereinzelte Ausnahmen sämtliche Stärken und Überraschungen des Missions-Designs kennen. Hier kommt mit den regelmäßigen Wiederholungen leider eine Eigenheit zum Tragen, die bereits dem Abenteuer von Altair zu schaffen gemacht hat und für eine nicht immer stabile Spannungs- und Motivationskurve sorgt. Sicherlich macht es weiterhin Spaß, Coles Stärken auszuspielen, den virtuellen Superheld heraushängen zu lassen und Empire City unsicher zu machen, die knisternde Spannung, die InFamous in den ersten Stunden versprüht, fällt jedoch der fehlenden Abwechslung zum Opfer, woran auch die kleinen Geheimnisse wie überall verstreute Energiescherben, die eure maximale Lebensenergie erhöhen, oder Tonbänder, die euch einen weiteren Blick auf die Geschichte ermöglichen, nur bedingt etwas ändern können. Ebenfalls nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind die Nebencharaktere, die stets mit euch in Kontakt stehen und oftmals einfach zu blass bleiben, um sich in die ansonsten spannend inszenierte Geschichte integrieren zu können. Somit leidet InFamous unter dem Strich ein wenig an der fehlenden Konsequenz, die die Mannen von Sucker Punch noch bei der Sly-Reihe an den Tag legten, die in Sachen Missions-Varianten doch spürbar besser aufgestellt war.

Technisch weiß InFamous vor allem durch die glaubwürdig dargestellte Metropole Empire City zu gefallen, der man die Folgen der Explosion an allen Ecken und Enden ansieht. Komplette Straßenstriche wurden verwüstet, die Bewohner gehen selbstmitleidig ihrem Leben nach, Verbrecherbanden treiben ihr Unwesen und mittendrin befindet sich Cole, der mit seinen elektrischen Attacken das Geschehen erhellt, Objekte oder ganze Autos durch die Straßen befördert und mit geschmeidigen Animationen seine Fähigkeiten zum Besten gibt. Sicherlich könnte man die vereinzelt schwachen Texturen oder diverse Clipping-Fehler anprangern, angesichts der gebotenen Freiheit und des atmosphärischen Gesamtbildes wäre dies jedoch Meckern auf einem hohen Niveau. Passend zum Release des Spiels veröffentlichte man einen Patch, der euch die Möglichkeit bietet, auch auf die englischen Synchronsprecher zu setzen, was unserer Meinung nach allerdings keinen großen Unterschied macht. Wie man es von Sony mittlerweile gewohnt sein dürfte, bietet auch InFamous professionelle und passende Sprecher, egal ob man das Abenteuer nun in deutscher oder englischer Sprache angeht. Abgerundet wird die Soundkulisse von den krachenden Soundeffekten, die die Wucht von Coles Attacken dementsprechend zur Geltung kommen lassen und das eigene Wohnzimmer in ein Schlachtfeld verwandeln, sofern das entsprechende Equipment vorhanden ist.
Während der ersten Stunden möchte man den zuständigen Entwicklern dankend auf die Schultern klopfen, um ihnen für einen etwas anderen „Open World“-Titel zu danken. Das offene Design sorgt in Verbindung mit den verschiedenen Superkräften und dem Karma-System für ein erfreulich frisches Spielerlebnis, das sich mit zunehmender Dauer leider in unnötigen Wiederholungen verliert, die merklich am Gesamteindruck knabbern. Nicht selten bekommt man das Gefühl vermittelt, dass das Konzept von InFamous nicht richtig zu Ende gedacht wurde. Trotz des mitunter verschenkten Potentials bleibt abschließend ein Titel, der bis zum Abspann bei der Stange hält und mit einem neuen Setting aufwarten kann. Action-Fans werden eine Investition also keinesfalls bereuen.
Gesamtwertung: 8/10
 
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