Etwas mehr als vier Jahre mussten die Spieler in aller Welt auf die Fortsetzung von
Resident Evil 4 warten, welches als eines der besten Spiele der vergangenen Generation gilt. Zugleich krempelte der vierte Teil die Serie gehörig um und entstaubte sie von allerlei Altlasten. Sogar der mysteriöse Umbrella-Konzern musste dran glauben, was mit Sicherheit nicht allen gefiel. Dennoch blieb man einer Tatsache weiterhin treu. Laufen und gleichzeitiges Schießen gibt es bei Resident Evil nicht. Da macht der neueste Teil keine Ausnahme. Allerdings verspricht
Capcom für das fünfte Kapitel eine neue Art von Horror, ein imposantes Wechselspiel von Sonnenlicht und Schatten und, für viele Fans wohl das Wichtigste, es sollen endlich die Fragen geklärt werden, die man sich beim Spielen der diversen Teile immer wieder stellte. Wir möchten euch diese Geheimnisse nun etwas näher bringen und versuchen zu lüften. Uns macht nur der Tricell-Mitarbeiter Sorgen, der etwas nervös mit einer Spritze hinter uns herumläuft, während wir diesen Bericht tippen. Aber wir werden unser Bestes geben.

Die Disc ist im Laufwerk verstaut, die Beleuchtung heruntergedreht, die Boxen am Limit. Es kann losgehen mit dem neuesten Abenteuer von Chris Redfield. Zuvor empfiehlt sich aber ein kurzer Gang durch das Hauptmenü. Leute, die sich nicht mit der Hintergrundgeschichte der Serie auskennen, haben hier die Möglichkeit, sich die wichtigsten Informationen in Kurzform anzueignen. Zu entdecken gibt es zusätzlich einen Videoplayer für freigespielte Zwischensequenzen und weitere Dinge. Zudem kann man sich hier später in einer umfangreichen Statistik-Zentrale vergnügen. Viel wichtiger sind in unserem Fall jedoch die Optionen. Erstmals in der Resident Evil-Serie kann man nämlich aus verschiedenen Steuerungsarten wählen. Diese unterscheiden sich zwar nur marginal, aber so dürfte jeder seine persönliche Steuerung finden. Wir haben uns für die Variante aus dem Vorgänger entschieden. So ist die Eingewöhnungszeit nicht zu hoch und man kann sich sofort auf das Abenteuer konzentrieren. Schauplatz des Geschehens ist dieses Mal Afrika. Chris Redfield, der Held aus Resident Evil ist erneut der Protagonist und will ein für alle Mal die letzten Überreste der von Umbrella entwickelten Viren vernichten. Nachdem er im entfernten Russland die letzten Überreste des ehemals mächtigen Konzerns dem Erdboden gleich gemacht hat, hat er sich einer neuen Organisation namens Bioterrorism Security Assessment Alliance, kurz BSAA, angeschlossen. Diese bekämpft seit dem Fall von Umbrella den aufkeimenden Terrorismus mit biologischen Waffen. Bekanntlich sind genügend Proben der verschiedenen Viren immer wieder verschwunden. So hat Ada Wong in
Resident Evil 4 eine Probe des Las Plagas Virus’ gestohlen und es wurde nie geklärt, was damit passiert ist. Auch die Ereignisse in Resident Evil: Degeneration zeugen davon, dass die einst von Umbrella entwickelten Viren noch lange nicht vernichtet worden sind. Ermittlungen der BSAA führten jetzt nach Westafrika, in das autonome Gebiet von Kijuju. Dort soll laut den Akten etwas unter dem Namen Projekt Uroboros stattfinden. Mehr ist nicht bekannt. Zum Glück ist Chris bei dieser Mission nicht auf sich allein gestellt. Die Spezial-Agentin Sheva Alomar unterstützt ihn bei seinen Untersuchungen und diese führen alle zur afrikanischen Niederlassung des Konzerns Tricell Inc.

Doch bis der Spieler zu dieser Erkenntnis kommt, vergeht einige Zeit. Zunächst gilt es, in das von der Regierung abgesperrte Gebiet zu gelangen. Obwohl Chris die Genehmigung zu Ermittlungen in dem unter Quarantäne stehenden Gebiet hat, sind Waffen strengstens verboten. Also führt der erste Weg zum örtlichen Waffenschmuggler, der im Auftrag der BSAA die Ausrüstung für die beiden Ermittler auf illegale Weise in das Areal gebracht hat. Auf dem Weg dorthin kann man sich erstens mit der Steuerung vertraut machen und zweitens erntet man die ersten argwöhnischen Blicke der Bevölkerung, die geistig etwas neben sich zu stehen scheint. Zwar herrscht reges Treiben auf dem Marktplatz, aber man stört sich auch nicht wirklich daran weiter auf einen sich bewegenden menschengroßen Sack einzuschlagen, während die beiden Agenten daneben stehen. Insgesamt wirkt aber alles sehr verkommen und verwahrlost. Also genau der richtige Schauplatz für eine Verschwörung der besonderen Art. Dabei geht man im Zuge der Ermittlungen in bekannter
Resident Evil 4-Manier vor. Wobei der Ermittlungsteil, also das Suchen nach Informationen, sich auf ein Minimum beschränkt. Hauptsächlich bewegt man sich von Gegnerhorde zu Gegnerhorde und versucht einen nach dem anderem zu erledigen. Dass man beim Schießen nicht laufen kann, macht die Sache nicht einfacher und zusammen mit der begrenzten Munition zeigt sich, warum
Resident Evil 5 zwar ein Action-Spiel ist, aber immer noch mit starken Einflüssen aus dem Survival-Horror-Genre. Je nach Umgebung gestaltet sich das mal mehr und mal weniger nervenaufreibend. Teilweise lässt sich die Umwelt nämlich zum Vorteil einsetzen. Meist jedoch stellen einem die Majini jedoch Fallen oder versuchen Chris und Sheva aus dem Hinterhalt zu töten. Ist eine solche Situation überstanden und der Kugelvorrat neigt sich dem Ende, kann man sicher sein, dass in der nahen Umgebung noch irgendwo ein Sub- oder richtiger Boss wartet. Spätestens jetzt wird man es sich zweimal überlegen, ein ganzes Magazin aus der Pistole oder dem Maschinengewehr in die Gegnerhorden zu pumpen. Besser ist es in solchen Situationen, sparsam mit Munition umzugehen und Gegner mit kontextabhängigen Befehlen oder dem Messer im Nahkampf zu erledigen. Finishig-Moves beispielsweise ersparen eine Menge Blei. Zum Glück findet man im Laufe des Abenteuers immer durchschlagskräftigere Argumente. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Blick ins Inventar das Spiel nicht mehr pausieren lässt.

Was bislang streckenweise wie
Resident Evil 4 klingt, nur in Afrika stattfindet, spielt sich auch genauso. Bei näherer Betrachtungsweise gibt es aber gehörige Unterschiede. Zwar kennt man schon ein gewisses Partner-System in der Reihe durch die Spiele
Resident Evil Zero und
Resident Evil 4, aber der aktuellste Ableger der Serie treibt diese Tatsache auf die Spitze. Statt einer wehrlosen Partnerin hat man Chris Redfield die Spezialagentin Sheva Alomar zur Seite gestellt. Diese kann bei Bedarf von einem anderen Spieler gesteuert werden. Dabei spielt es keine Rolle ob beide Spieler an derselben Konsole sitzen, über das PlayStation Network verbunden sind oder die Konsolen per Netzwerk zusammengeschlossen haben. Lediglich beim Spielen an einer Konsole gibt es kleinere Einschränkungen. So müssen sich beide Spieler mit einem äußerst kleinen Bildausschnitt zufrieden geben. Eine weitere Eigenart ist, dass beide Spieler, unabhängig davon wo sie das Spiel im Kooperationsmodus starten, immer auf ihre aktuellste Ausrüstung aus dem Einzelspielermodus zurückgreifen. Egal für welche Art man sich entscheidet. Es ist auf jeden Fall sinnvoller und auch spaßiger mit einem Freund zu spielen als die Kontrolle von Sheva der Konsole zu überlassen. Teilweise agiert die künstliche Intelligenz überhaupt nicht intelligent. Besser wird das Ganze, wenn man Sheva sagt, dass sie sich zurückhalten soll. Dann klappt auch das Tauschen von Ausrüstungsgegenständen und Munition. Zusätzlich gibt es auch richtige Partner-Aktionen. Beispielsweise müssen beide zusammen eine Tür auftreten, der eine darf als Hilfe für höher gelegene Ebenen dienen oder ein Charakter gibt dem anderen Feuerschutz mit dem Scharfschützengewehr. Eine der wichtigsten Funktionen ist die Hilfe im Kampf. Sollte einer der beiden zu sehr in Bedrängnis geraten, kann ihm der andere zu Hilfe eilen, befreien und medizinisch versorgen. Die Rätseleinlagen wurden im Gegensatz zum Vorgänger noch weiter zurückgeschraubt und summieren sich, abseits der üblichen Schlüsselsuchorgien, auf sage und schreibe zwei, vielleicht drei wirkliche Rätsel. Ebenfalls gestrichen wurden der Waffenhändler und die Möglichkeit, seine Energie zu erweitern. Dafür darf man wieder mit zahlreichen Quicktime-Events arbeiten und kann nach jedem Level sein Inventar verwalten. Leider sind die Schockmomente in Teil 5 an einer Hand abzählbar. Freispielbare Spielmodi wie der Mercenaries-Modus aus Teil 4 und Bestenlisten zum Vergleichen mit anderen Spielern runden das Paket ab.

Im optischen Bereich vertraut
Capcom auf die hauseigene verbesserte Version der MT-Framework-Engine. Diese hat sich schon bei
Devil May Cry 4 oder aber
Lost Planet bewährt. Die afrikanische Umgebung sieht täuschend echt aus und die Gegner wirken authentischer und realistischer als jemals zuvor. Was aber viel wichtiger ist, es wirkt alles wie aus einem Guss und es entsteht eine konstant dichte Atmosphäre. Technisch gibt es kaum etwas auszusetzen. Texturen, Lichteffekte und Detailgrad sind über jeden Zweifel erhaben und werden das Auge eines jeden Spielers erfreuen. Besonders gelungen sind die Übergänge vom Hellen ins Dunkel und umgekehrt. Akustisch darf man sich auf ein gewohnt hohes Niveau freuen. Markante Stimmen, brachiale Soundeffekte und atmosphärisch geschickt eingesetzte Musikstücke sollten auf jeden Fall für die richtige Stimmung sorgen. Nur lyrische Meisterwerke sollte man bei der Sprachausgabe nicht erwarten.

Lösungsbücher gehören bei allen größeren Spielen mittlerweile zum guten Ton. Zumal die wirklichen Top-Titel immer mehr bieten als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Drei Firmen haben dabei den Markt der Lösungsbücher in fester Hand. Eine davon ist Piggyback. Die Jungs haben jetzt ein umfangreiches Kompendium zu
Resident Evil 5 zusammengestellt, welches die letzten Geheimnisse des Spiels lüften soll. So umfasst das mehr als 220 Seiten starke Werk alles, was man zu
Capcoms Action-Spiel wissen sollte. Neben einleitenden Worten von den zuständigen Entwicklern, werden die Spieler unter anderem über die Grundlagen und hilfreiche Kniffe aufgeklärt. Sechs Kapitel unterteilen dabei das geballte Wissen rund um
Resident Evil 5. Den Löwenanteil nimmt aber ohne Frage der detaillierte Lösungsweg in Anspruch. Hier werden alle Areale, Gegner und Gegenstände minutiös beschrieben und es gibt für jedes Problem eine adäquate Lösung. Strategien gegen Endbosse sind dabei nur ein Aspekt. Ausführliche Karten des Geländes dienen zur Orientierung und zeigen die Plätze, an denen wichtige Events stattfinden oder sich Gegenstände befinden.

Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, sich die Gegner, Monster und Ausrüstungsgegenstände inklusive aller im Spiel vorkommenden Items noch einmal genauer und gesondert zu betrachten. Sogar die freispielbaren Extras - wovon wir leider nichts verraten dürfen - und eine Anleitung zu einem so genannten Speed-Run sind vorhanden. Sollte dem einen oder anderen Spieler doch einmal etwas durch die Lappen gegangen sein, hilft ein Index. Dazu gesellen sich wunderschöne, meist überdimensionale Hochglanz-Artworks. Auch wenn man das Spiel durch hat, wird man immer mal wieder in diesem Buch schmökern, allein wegen der großartigen Bilder und der flüssigen Schreibweise. Dieses Buch lässt kaum Wünsche offen, beleuchtet alle Seiten des Spiels und präsentiert sich auf einem äußert hohem Niveau, sowohl inhaltlich als auch betreffend der Druckqualität. Als kleine Besonderheit gibt es das Buch in zwei Varianten, wobei die Luxusvariante noch über eine Artwork-Gallerie verfügt und in einem festen Einband daherkommt.