Spätestens mit dem Erscheinen von Dragon Quest oder Final Fantasy gehören die Rollenspiele vor allem im Land der aufgehenden Sonne zu den beliebtesten Genres überhaupt. Und nachdem die westlichen Spieler den japanischen Vertretern des Genres für einen langen Zeitraum skeptisch gegenüberstanden, erfreuen sich die Abenteuer aus dem Land der aufgehenden Sonne in den letzten Jahren auch hier zu Lande großer Beliebtheit. Hieraus resultierte natürlich, dass der Markt geradezu von neuen Abenteuern überschwemmt wurde, da sich jeder Hersteller ein Stück des äußerst lukrativen Kuchens sichern wollte. Um aus dieser Masse der Rollenspiele herausstechen zu können, sind die Entwickler mittlerweile also dazu gezwungen, mit ganz besonderen Ideen aufzuwarten. Bei
tri-Cresendo entschied man sich dazu, den Spielern mit
Eternal Sonata einen Titel zu bieten, der zwar in einer märchenhaften Welt angesiedelt ist, die Grundzüge seiner Handlung allerdings bis zu einem gewissen Teil aus realen Begebenheiten übernimmt. Die Geschichte dreht sich nämlich um den bekannten polnischen Komponisten Frédéric Chopin, der auf Grund seines ausgefallenen Stils als einflussreichster Klavierkomponist des neunzehnten Jahrhunderts galt und am 17. Oktober 1849 in Paris verstarb. Hält man sich diese Tatsache vor Augen, dann ist es nur wenig verwunderlich, dass sich auch die Handlung von
Eternal Sonata äußerst musikalisch präsentiert, was sich in erster Linie bei den Namen der einzelnen Charaktere bemerkbar macht.

Nach etwas mehr als einem Jahr Verspätung dürfen jetzt auch die Besitzer einer PlayStation 3 zugreifen und werden mit kleineren Neuerungen bedacht, die das Spielgeschehen allerdings nur dezent erweitern. Nachdem die Blu-ray im Laufwerk verstaut wurde, führt der Weg in ein aufgeräumtes Hauptmenü, das äußerst spärlich gehalten wurde und lediglich bekannte Menüpunkte wie ein neues Spiel, die Möglichkeit ein bestehendes Spiel zu laden oder die obligatorischen Optionen bietet, mit denen man das Abenteuer optisch, wie akustisch an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Zu Beginn liegt der Fokus natürlich auf einem neuen Spiel, das den Spieler auch schnell in eine spannende Geschichte rund um den eingangs angesprochenen Komponisten Frédéric Chopin entführt, die zumindest zu Beginn historisch korrekt umgesetzt wurde. Am 16. Oktober des Jahres 1849 verbringt Frédéric Chopin seine letzten Stunden auf dem Krankenbett in seinem eigenen Haus, das am Place Vendome Nr. 12 mitten im Herzen der französischen Metropole Paris liegt. In seinen letzten Stunden ereilt ihn ein Traum von einer magischen Welt, in der selbst unheilbar Kranke die Macht der Magie einsetzen können. Was sich zunächst lediglich wie ein Traum anfühlen mag, wird spätestens durch das Kennenlernen zweier weiterer Protagonisten komplett in andere Bahnen gelenkt. Während dem jungen Mädchen Polka ein furchtbares Schicksal bevorsteht, kämpft der junge Mann Allegretto verzweifelt für eine gerechte Welt. Und während Chopin nach wie vor von einem letzten Traum ausgeht, wird er immer tiefer in seine vermeintliche Traumwelt gezogen, bis er schließlich selbst anzweifelt, dass es sich hierbei wirklich nur um einen Traum handelt. Die einzelnen Aspekte der zu Grunde liegenden Geschichte werden dabei in malerischen Zwischensequenzen weitererzählt, die wahlweise mit japanischen oder englischen Synchronsprechern vertont wurden. Lediglich die Untertitel und Menütexte von
Eternal Sonata wurden ins Deutsche übersetzt.

Doch während man dem Genre bei der Geschichte des Abenteuers durchaus neue Impulse verleiht und gelungen historische Fakten mit einer malerischen Märchenwelt kombiniert, präsentiert sich der Titel spielerisch leider alles Andere als innovativ und greift stattdessen die seit Jahren bekannten Faktoren des zu Grunde liegenden Genres auf. Für den Spieler bedeutet dies, dass er seine eigene Gruppe, die im Genre auch Party genannt wird, durch eine Vielzahl von Arealen steuert, sich in Städten nach neuer Ausrüstung oder Informationen erkundigt oder aber eine Vielzahl von Monstern bekämpft. Leider bietet man den angehenden Abenteurern an dieser Stelle kaum optionale Quests oder andere Möglichkeiten, abseits der Handlung die Welt zu erforschen. Stattdessen präsentiert sich
Eternal Sonata enorm linear, was dem einen oder anderen Spieler sicherlich sauer aufstoßen wird. Schließlich haben in den letzten Jahren einige Titel eindrucksvoll gezeigt, wie man Spieler, welche nur die Geschichte des Spiels erleben wollen, und fleißige Zeitgenossen, die auch gerne Abseits der Geschichte ihrem Forschungsdrang freien Lauf lassen, gleichermaßen mit einer überzeugenden Mischung begeistern kann. Somit wird den Anhängern der japanischen Rollenspiele lediglich die gewohnte Kost geboten, weshalb der Fokus des Interesses schnell auf das durchaus interessante Kampfsystem fällt. Dieses präsentiert sich als eine Mischung aus Echtzeit, sowie rundenbasierten Schlachten. Mit nervigen Zufallskämpfen wird man an dieser Stelle übrigens nicht konfrontiert, da sich die gegnerischen Einheiten stets sichtbar in den Arealen bewegen und bei Bedarf problemlos umgangen werden können. Da erfolgreich abgeschlossene Schlachten, die übrigens kooperativ mit bis zu drei Spielern absolviert werden können, allerdings mit den essentiellen Belohnungen in Form von Erfahrungspunkten, welche den Level und somit die Statuswerte des eigenen Charakters erhöhen, sowie Geld, das in zusätzliche Heilgegenstände oder stärkere Ausrüstung investiert werden kann, belohnt werden, sollte man möglichst eine gesunde Mischung aus Kämpfen und umgangenen Gegnern finden. Der Status der eigenen Truppe kann natürlich jederzeit in einem dafür vorgesehenen Menü begutachtet werden.

Kommt es einmal zum Duell mit den zahlreichen Gegnern, versetzt der Titel die eigene Party auf einen gesonderten Kampfbildschirm, auf dem sich die unterschiedlichen Parteien gegenüberstehen. Die Kämpfe präsentieren sich dabei als eine interessante Mischung aus Echtzeit und rundenbasiertem Kampfgeschehen. So wurden auf dem Bildschirm sowohl die Taktikzeit, als auch eine Aktionsanzeige platziert, die dem Spieler verdeutlicht, wie lange er noch überlegen darf, ehe der Zug beendet ist. Die Aktionsanzeige hingegen sinkt beim Einsatz der diversen Attacken. Dieses Konzept verleiht den Schlachten einen angenehm taktischen Anstrich und gestaltet die Duelle so auch auf lange Sicht interessant. Steuerungstechnisch entschied man sich dabei zu einem Konzept, das innerhalb weniger Minuten in Fleisch und Blut übergehen wird. So dirigiert man den eigenen Charakter mittels des linken Sticks durch das Geschehen, während man mit dem X-Button angreift. Mit Quadrat dürfen diverse Objekte benutzt werden, während besonders mächtige Spezialattacken mit der Dreieck-Taste von statten gehen. Mit dem Kreis-Button werden schließlich gegnerische Angriffe geblockt. Verstärkt wird der taktisch angehauchte Eindruck des Kampfgeschehens noch von der Tatsache, dass die Waffen der Party über verschiedene Elemente, respektive Attribute verfügen, mit denen man das Geschehen zu den eigenen Gunsten beeinflussen kann. Ein taktisch kluger Einsatz der Attribute natürlich vorausgesetzt. Als Beispiel sei hier ein Dungeon genannt, in welchem die Gegner stets das Attribut Schatten innehaben. Der logische Schritt des Spielers ist es nun, Waffen auszuwählen, die gegen den besagten Schatten effektiv sind. In diesem Falle wären das Waffen, die auf dem Element Licht basieren. Zwar ist es auch problemlos möglich, die zahlreichen Schlachten zu meistern, ohne dass man regen Gebrauch von den unterschiedlichen Attributen macht, im Gegenzug hat man die Gegner so jedoch deutlich schneller aus dem Weg geräumt, was mit zunehmendem Spielverlauf auch dem eigenen Nervenkostüm zu Gute kommt. Denn auch wenn die Schlachten rundum spannend und taktisch inszeniert wurden, stellt sich genretypisch irgendwann ein Abnutzungseffekt ein. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, wird das Erreichen des Kampfbildschirms auch in
Eternal Sonata für den einen oder anderen genervten Seufzer sorgen.

Unter dem Strich präsentiert sich das Abenteuer als eine runde Sache, die allerdings zu keinem Zeitpunkt mit neuen Ideen oder besonders ausgefallenen Konzepten aufwarten kann. Denn so sehr die interessante und historisch angehauchte Geschichte auch zu gefallen weiß, so altbacken fiel die Spielmechanik des musikalischen Spektakels aus. Sich stets auf vorgegebenen Wegen auf die Suche nach neuen Informationen zu begeben und in regelmäßigen Abständen diverse Monster aus dem Weg zu räumen, lockt heute wahrlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Hier wird man sich schnell nach Abwechslung sehnen und das Abenteuer lediglich wegen der spannenden Geschichte vorantreiben, ohne dass die Spielmechanik in irgendeiner Form lange in Erinnerung bleibt. Doch während die spielerische Seite von
Eternal Sonata durchaus einige Fragen aufwirft, überzeugt das Epos audiovisuell auf der ganzen Linie und gehört definitiv zu den schönsten Genre-Vertretern der letzen Jahre. Bereits in dem Moment, in dem man das Abenteuer beginnt, wird man von der ansprechenden Umsetzung unweigerlich in seinen Bann gezogen und sich oftmals dabei erwischen, wie man einfach die diversen Details der liebevoll gestalteten Areale in Augenschein nimmt. So bahnt man sich einen Weg durch malerische Wälder, streift durch saftige Wiesen oder erforscht die ansprechend dargestellten Städte. Abgerundet wird das optische Gesamtbild von den ungemein sympathischen Charakteren, die sich nahezu perfekt in die Hintergründe einfügen. Nicht minder beeindruckend präsentiert sich die akustische Untermalung, die in erster Linie durch die Tatsache besticht, dass man diverse Werke von Chopin übernahm und diese in leicht überarbeiteter Form in das Geschehen integrierte. Selbstverständlich fanden aber noch weitere Stücke den Weg in
Eternal Sonata, die sich qualitativ allerdings nicht vor den großen Werken Chopins verstecken müssen. Die Synchronsprecher, die sowohl in englischer, als auch in japanischer Sprache zur Verfügung stehen, runden die Akustik durch ihre Professionalität gelungen ab.

Kommt es zu den Neuerungen der PlayStation 3-Version, dann offenbart sich schnell, dass Zeitgenossen, die den Titel bereits für die Xbox 360 besitzen, problemlos einen Bogen um das Händlerregal machen können. Beispielsweise wird der Pool der spielbaren Charaktere durch die beiden Recken Crescendo und Serenade erweitert, die auf der Xbox 360 zwar vorhanden waren, jedoch nur als Non Playable Characters fungierten. Gleichzeitig peppte man die Geschichte durch kleinere Elemente auf und entschärfte die Foto-Funktion merklich. Konnte man sich auf der Xbox 360 noch ein kleines Vermögen anhäufen, indem man Fotos der Gegner schoss, so wurde der Ertrag auf der PlayStation 3 merklich nach unten geschraubt und ist nicht mehr als ein nettes Zubrot. Um Geld anzuhäufen, kommt man hier also nicht um die Kämpfe herum.