Spiele und Filme sind mittlerweile zwei Medien, die nur noch sehr schwer zu trennen sind. Meist gibt es für die passenden Kinofilme die dazugehörigen Spiele und umgekehrt. Oft profitieren beide Seiten von einer solchen Kooperation, zumindest was den finanziellen Bereich betrifft. Spielerisch hingegen gibt es bis auf ein paar Ausnahmen nicht solch positive Dinge zu vermelden. Schwieriger wird es da schon, wenn die Grenzen anfangen zu verschwimmen. Wer erinnert sich noch an Dragon’s Lair, dem ersten interaktiven Zeichentrickfilm. Mittels reaktionsschneller Quick-Time-Events wurde damals die Handlung vorangetrieben. Das war jedoch nur der Anfang. Vor fünf Jahren wagte das französische Studio Quantic Dream mit Fahrenheit einen ersten ernsthaften Versuch, beide Medien miteinander verschmelzen zu lassen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und knapp eine Million Käufer waren ebenfalls dieser Ansicht. Eine Konsolen-Generation später wollen es die Jungs rund um David Cage erneut wissen. Heavy Rain steht als exklusives Zugpferd für die PlayStation 3 in den Startlöchern und soll Massen begeistern.
Geschichten in Videospielen werden immer komplexer, das zeigen nicht nur die aktuellen Rollenspiele. Dennoch nimmt Heavy Rain eine Sonderstellung ein, denn man erlebt quasi eine interaktive Geschichte, deren Ausgang man selbst bestimmt. Wie genau das passiert, werden wir euch versuchen zu erläutern. Heavy Rain erzählt die Geschichte von vier Menschen vor dem Hintergrund einer Reihe von Mordfällen. Da wäre zum einen Norman Jayden, seines Zeichens FBI-Agent. Er wird wegen der unerklärlichen Mordfälle in die amerikanische Küstenstadt gerufen und muss sich dort mit der hiesigen Polizei herumschlagen. Der zweite im Bunde ist der Privatdetektiv Scott Shelby. Er wird von den Hinterbliebenen engagiert, um die Mordfälle zu lösen. Der Architekt Ethan Mars ist direkt selbst betroffen und zusätzlich von Selbstmitleid geplagt. Die einzige Dame in der Gruppe ist die Foto-Journalistin Madison Paige. Jetzt darf man nur nicht denken, dass alle vier zusammen als Team auftreten. Die Handlungsstränge der vier verschiedenen Personen kreuzen sich zwar ab und an, aber im Prinzip folgt jeder seiner eigenen Bestimmung. Lediglich die Mordserie verbindet alle. Es geht nämlich ein geheimnisvoller Killer um, der kleine Jungen entführt, die am darauffolgenden Tag durch Regenwasser ertränkt gefunden werden. Das Besondere dabei ist, dass sich jeweils auf der Brust der Opfer eine geheimnisvolle Origami-Figur befindet. Deshalb wird der Killer auch Origami-Killer genannt. Diesen gilt es zu schnappen. Vor allem, weil Ethan Mars gerade selbst zum Opfer geworden ist. Sein verbliebener Junge wurde entführt.
Heavy Rain sieht auf den ersten Blick aus wie ein handelsübliches 3D-Action-Spiel. Doch gerade die ersten paar Minuten werden ein komplett anderes Bild beim Spieler erzeugen. Statt nämlich wie sonst üblich, steuert man die Charaktere nicht vornehmlich mit dem Stick, sondern muss, damit sich überhaupt etwas tut, zusätzlich noch die rechte Schultertaste drücken. Das erfordert zunächst etwas Umgewöhnungszeit, geht aber spätestens nach dem dritten Gang gegen die Badezimmerwand recht problemlos. Egal welche Figur man gerade spielt, der Ablauf ist identisch. Nur FBI-Agent Norman Jayden verfügt noch über eine Besonderheit. Dazu kommen wir aber noch. Zunächst gilt es mit den Interaktionsmöglichkeiten der Umgebung zurecht zu kommen. Jegliche Aktionen, ob sie nun die Handlung vorantreiben oder nicht, werden über kontextbezogene Symbole eingeleitet, die sagen, was man hier machen kann. Meist müssen Halb- und Viertelkreise mit dem rechten Stick ausgeführt werden, um zum Beispiel die Zeitung zu nehmen, die Toilette zu nutzen oder sich einen Kaffee zu machen. Das Abrubbeln nach einer Dusche wiederum wird mit der Sixaxis-Funktion ausgeführt. Die Möglichkeiten hängen immer von der direkten Umgebung ab. Dabei steht es dem Spieler frei, das zu tun, was er machen möchte. Dadurch ist es aber auch schwer zu erkennen, welche Aktionen jetzt handlungsrelevant sind und welche nicht. Gleichzeitig macht genau das den Titel aber so interessant und jede Handlung hat Folgen. Wird man zum Beispiel als Scott Shelby angeschossen, verschwindet die Wunde bei der nächsten Szene nicht. Um den Spieler aber nicht zu sehr von der einen unwichtigen Aktion zur nächsten hangeln zu lassen, kann man sich jederzeit die Gedanken der vier Hauptpersonen einblenden lassen. So ist zumindest ein roter Faden erkennbar.



















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